Dienstag, 1. August 2017

LG G6

Mal wieder Neuigkeiten zum Thema Smartphone.
Dieses Mal geht es um das eigene Handy, kein Ersatzgerät oder Telefon für Dritte.

Wie das halt immer so ist, prinzipiell bin ich mit meinem OnePlus 2 nach wie vor zufrieden, aber nach nun bald 2 Jahren der Benutzung darf es halt gerne mal wieder etwas Neues her.
Da ich in letzter Zeit häufig nur das Handy als Kamera mit auf Reisen genommen hatte, sollte es natürlich insbesondere in Sachen Kamera eine Verbesserung werden.
So schaute ich mich in den letzten Monaten immer mal wieder etwas um, auch auf das neue OnePlus 5 wartend. Über die Qualität machte ich mir keine Sorgen, eher über den Preis.
Der war dann für mich persönlich (fast wie befürchtet) zu hoch und zudem wurde dann das schon lange angekündigte Update vom OP2 auf das längst überfällige Android 7.x komplett abgeblasen.
Bei der letzten Motorradtour kam dann hinzu, dass meine beiden Mitfahrer ihre Smartphones (Samsung Galaxy S7 und iPhone 7) dann mit in den Pool nahmen.
Wasserdicht... war für mich bisher nie bedeutsam. Ich bin nicht unbedingt der baselige Typ, dem das Handy ins Klo fällt. Aber die Nutzung im Wasser fand ich ja doch schon nett.

So stieg ich nach dem Urlaub dann beim OP2 auf LineageOS (basierend auf Android 7.x) um und intensivierte meine Suche nach einem Gerät in der Klasse bis etwa 400€.
Entweder die Geräte waren mir zu teuer oder aber der Mehrwert war kaum erkennbar.
Schließlich stieß ich auf einer Schnäppchenseite dann auf ein Angebot des LG G6 in der asiatischen Dual-SIM-Version. Dieses noch sehr neue Modell hatte ich bisher so gar nicht im Blick. Zum einen hatte es einen offiziellen Einführungspreis von knapp 750€ und zum anderen fehlte die für mich obligatorischen Doppel-SIM-Nutzung.
Da der angepeilte Preis auch für den Markt deutlich zu hoch war, sank der Straßenpreis ganz schnell sehr rapide. Sonderlich beliebt war das G6 hier trotzdem nicht, da es für ein aktuelle Highend-Modell zu "schwache" Hardware (nicht den aktuellen Top-Prozessor - konkret den Snapdragon 821 statt 835 - und nur 32GB Speicher) hatte.
Nun, diese asiatische Version des G6 (H870DS nennt es sich dann) hat nicht nur Dual-SIM an Bord, sondern auch gleich 64GB internen Speicher und den hochgelobten 32bit DAC für die Musikliebhaber. Kurz darauf fand ich dann eben dieses Gerät auf ebay mit Versand aus Deutschland für knapp 386€.

OK, sehr gute Kamera (in der heute fast üblichen Doppellinsen-Technik und statt irgendeinem Effekt gibt es eine echte Weitwinkellinse, dazu später mehr), Dual-SIM, aktuelles System, wasserdicht und zudem im Preisrahmen. Da schlug ich dann zu.

Zwischen Bestellung und Lieferung (dauerte bei dann 8 Tage) erfuhr ich durch Foren dann allerdings noch ein paar Nachteile (wenn es denn welche für einen persönlich sind):
Die zahlreichen verschiedenen Versionen des Modells werden nicht gleich supportet. Der Stand der Firmwareversionen unterscheidet sich jeweils nach Zielmarkt. Die europäische Variante ist aktuell weiter bei den Updates, als die von mir georderte asiatische Version.
Zudem gibt es auch nur beim europäischen Modell eine offizielle Möglichkeit, den Bootloader zu entsperren. Ohne entsperrten Bootloader ist es nicht möglich, das Gerät zu rooten, also vollen administrativen Zugriff zu erhalten. Zudem kann man auch kein alternatives Recovery und auch kein anderes System (wie z.B. LineageOS) aufspielen
Während der Nutzwert von Root heutzutage bei weitem nicht  mehr so hoch ist wie noch vor einigen Jahren (z.B. was Backup usw. angeht) ist die (bisher) fehlende Möglichkeit evtl. irgendwann auf ein anderes System umzusteigen schon etwas unschön.
Nun gut, die Zeit wird zeigen, wie wichtig so eine Möglichkeit der Alternative sein wird.

Das G6 kam dann schließlich bei mir an und macht auf den ersten Blick schnell einen sehr guten Eindruck. An das andere Displayverhältnis von 2:1 (oder im Marketingsprech gerne mit 18:9 beworben) gewöhnt man sich sehr flott, ebenfalls an das sehr große Display im Verhältnis zur Gehäusefläche. Für eine Displaydiagonale von 5,7" ist das Gerät bemerkenswert kompakt.
Damit einher geht allerdings leider (aus meiner Sicht!), dass der Fingerprint-Sensor auf der Rückseite liegt.

Hier mal ein direkter Vergleich zwischen dem OP2 und dem G6:

Das mit dem Fingersensor ist generell eher so eine Glaubensfrage. Die einen finden das toll mit der Rückseite, andere weniger. Ich persönlich empfinde den Fingerprint vorne als praktischer, weil das Handy meist neben mir auf dem Schreibtisch liegt und so viel einfacher entsperrt werden kann.
Hat man das Gerät in der Tasche und nimmt es auf, hat man dagegen den Zeigefinger eh schon auf der Rückseite, in dem Fall ist der Sensor hinten recht nützlich. Wie auch immer, man gewöhnt sich dran.

Ebenfalls etwas verworren fand ich die Menüführung der Einstellungen, hier hat LG ziemlich Hand angelegt. Zuletzt war ich ja doch eher "pures" Android gewöhnt (oder nur marginal angepasst), nur gibt doch deutliche Abweichungen. Ebenfalls beim verwendete Launcher, das standardmäßig ohne AppDrawer daher kommt. Bedeutet auch, dass alle Apps erst einmal auf den Homescreen geballert werden. Sieht dann sehr schnell wie bei einem iPhone alles "vollgekachelt" aus, gruselig. Daher habe ich den Startscreen-Manager auch direkt durch den Nova Launcher ersetzt, den ich schon länger einsetze.

Nach nun rund 2 Wochen Nutzung habe ich mich aber an die kleinen Änderungen gewöhnt. Ich werde hier nicht den Anspruch eines wirklichen "Tests" nacheifern, dazu fehlt mir sowohl der Anspruch als auch die Vergleichsmöglichkeiten. Die Akklaufzeit ist deutlich besser als beim OP2 (dieses hat leider im Laufe der Zeit mit diversen Updates abgenommen) und auch sonst bin ich aktuell sehr zufrieden mit dem Gerät.

Inzwischen habe ich auch mal die Wasserdichtigkeit angetestet.
Die GoPro kann also demnächst einige Male öfters daheim bleiben. Mit IP68 wird eine "Wasserdichtigkeit" von min. 30min bei einer Tiefe von 1,50m garantiert.

Kleiner Tauchtest:

Als letztes möchte ich noch einen kleinen Vergleich der beiden Kameralinsen geben.
Wie schon kurz erwähnt setzt LG hierbei nicht auf zusätzliche Effekte (meist Bekoh für Portraitaufnahmen), sondern es kommt eine zweite Linse mit identischer Auflösung (13MPix), aber mit anderer Brennweite zum Einsatz. Die "Hauptlinse" hat einen (Standard-) Aufnahmewinkel von 71°, die Zweitlinse hingegen einen Weitwinkel von 125°.
Die Testfotos hier sind aus etwa 2m Entfernung entstanden, um das Motiv mal etwas einordnen zu können. Bei dem Weitwinkel ist "natürlich" schon eine gewisser Verzerrung zu erkennen, geht es ja doch schon etwas Richtung Fischauge.

Zwei Beispielbilder mit Standardlinse und Weitwinkel.

Den gleiche Effekt (aber etwas "abgemildert" und auch nur in digitaler Form) bietet die Selfie-Kamera auf der Vorderseite. Hatte bei den Fotos übrigens die automatische Spiegeldrehung nicht aktiv, daher seitenverkehrt. Aber geht ja um den Effekt.

Selfie-Kamera mit Weitwinkel-Effekt:

Jedenfalls wird hierbei auch schon in einigen Fällen der Selfie-Stick überflüssig.
Die Fotos sollten nun nicht als Referenz für die allgemeine Bildqualität herhalten, sind mal eben "aus der Hüfte geschossen", es geht nur um den Bildbereich.

Mal schauen, wie es sich mit der Zeit entwickelt. Gerade was so Updatepolitik usw. angeht oder in wie fern das Gerät auf Dauer für alternative System geöffnet wird. Aktuell kann man davon (bei der DS-Variante) wohl nicht ausgehen.

Donnerstag, 27. Juli 2017

Dosenwechsel

Mit etwas Verspätung hier nun noch die Geschichte vom neuen Auto.
Also vom neuen, alten Auto natürlich. Was war passiert...?

Nun, der schwarze Corsa hatte ja schon etwas länger mit einer kleinen Ölundichtigkeit zu kämpfen. Im Verbindungsbereich Motor/Getriebe tropfte es leicht. Nicht viel, aber halt schon wahrnehmbar. Auch durch unseren Vermieter, der die kleine Öltropfen auf unserem Stellplatz auch sah. Fand er natürlich weniger gut. Daher behalf ich mich über einige Monate mit einer dort platzierten Pappe (samt einigen Steine, dass die dort auch liegen bleibt). Nicht ideal, aber nun gut. Ging erst einmal.

Irgendwann fing der Corsa dann an, bei höheren Drehzahlen leicht zu ruckeln. Nur so ganz kurze, kleine Aussetzter im Vortrieb. Nicht wirklich schlimm. Aber so richtig in Schwung kam er auch weniger, auf der Autobahn waren mit Mühe noch etwa 140 km/h drin.
In den nächsten Tagen verstärkte sich das Ruckeln dann, wurde insgesamt auch ruppiger. Also mal langsam Zeit für die Werkstatt.
Ich brachte den Wagen also zu meinem Schrauber, der mir dann zwei Tage später eine Rückmeldung gab. "Ob ich das mit der Kupplung denn wüsste"? Ähh... nein?!
Nun, die hat zwar mit dem Ruckeln nichts zu tun (Quelle war bis dato unbekannt, Fehlerspeicher sagte nix), ist aber komplett durch. Somit war dann recht schnell klar: Motorruckel mit bisher unbekannter Ursache, Ölundichtigkeit und eine "durche" Kupplung. Nun, das war es dann wohl....

Somit schaute ich mich in den nächsten Tagen mal nach einem alternativen Fahrzeug um und stellte schnell fest: Wie vor einigen Jahren noch üblich, so für rund 1k€ bekommt man was Brauchbares, die Zeiten waren wohl irgendwie vorbei. Oder es war halt gerade einen schlechten Zeitpunkt, keine Ahnung.
Nun gut, also war etwas mehr Geld nötig und im Endeffekt fand ich dann einen dunkelblauen Golf IV mit 1,4l-Einstiegsmotor (55kW/75PS). Einen zu großen Motor wollte ich eh nicht haben, fahre ich doch überwiegend im Stadtverkehr.
Da es nun eh schon etwas teurer wurde, sollte zumindest auch weitere Sachen an Bord sein: Klimaanlage (dieses mal funktionierend) und 4 Türen, dazu dann gerne mal Zentralverriegelung.
Eben so einer war hier inseriert, dazu mit nagelneuer HU mit knapp 131tkm für 1850€.
Rücksprache mit Ronnie gehalten ("Damit macht man nix verkehrt, wenn der OK ist") und ein paar Tipps bekommen, dann Wagen angesehen, sah soweit prima aus.
Negativ: Windscheibe auf der Beifahrerseite durch defekten Scheibenwischer verkratzt, nur einen Schlüssel und Türschloss auf der Fahrerseite defekt.
Ein wenig quer gelesen und Infos eingeholt, Reparaturmaterial und Ersatzschlüssel müssten knapp 150€ kosten. Entsprechen dem Verkäufer 1700€ vorgeschlagen und wir waren uns einig.


Dann einen Termin bei der Zulassung gemacht und ein paar Tage später konnte ich den Golf anmelden. Beim Abholen sprang der Wagen dann wegen schwache Batterie nicht an. Der Verkäufer hatte das schon bei der ersten Ansicht angesprochen und ich Trottel hätte mal meine PowerBank mitnehmen sollen. Nun gut, jetzt sprang halt der ADAC ein.


Die Batterie tausche ich daheim dann direkt mit dem guten Banner-Akku (60Ah) aus dem Corsa, die ich mir erst vor dem letzten Winter geholt habe, nachdem ich mich mit 2 Baumarktbatterien herumgeärgert hatte. Eben so eine war nun auch im Golf.
Schnell fand ich dann noch über einen Kleinanzeigenmarkt gebrauchte Winterreifen auf Felgen. Ich wollte mich nicht erst umsehen, wenn es irgendwann Zeit wird (und entsprechend die Preise steigen). Schließlich wechselte ich mit Ronnie noch das defekte Teil (so ein Ring mit zwei Nasen) des Schließzylinders aus. Ich hatte durch Foreneinträge so ein Reparaturset von Skoda bei ebay gefunden, was auch seinen Zweck erfüllte.
Das Zusammenbauen des Schlosses war schließlich ein derbes Geduldsspiel, erst als wir den Schraubstock an der richtige Stelle einsetzten, bekamen wir es hin. Man muss halt den Trick kennen. Danach funktionierte das Schloss wieder, wie es sollte.
Kurz später gab es dann noch einen Ersatzschlüssel.

Als etwas schwieriger entpuppte sich dann die Absetzung des alten Corsas. Ronnie hatte selber vor wenigen Monaten ein noch älteres Modell mit Motorschaden für 250€ abgesetzt, also hoffte ich, einen ähnlichen Erlös zu erzielen.
Das klappte aber nicht. Nach einigen Wochen mit viel herumärgern (Kleinanzeigen halt, ich gehe da mal nicht genauer drauf ein) war ich dann froh, als ein Bastler den Opel noch für 50€ abholte.

Nun, der Golf funktioniert bisher tadellos und nun hoffe ich mal, wieder etwas länger Ruhe in Sachen Auto zu haben.

Dienstag, 25. Juli 2017

Zentralmassiv - Juni 2017

Die Vorgeschichte zu dieser Tour hatte ich schon hier und dort kurz zusammengeschrieben.
Nach dem letzten Update hat sich dann doch noch eine Kleinigkeit geändert: Wolfi hat noch etwas mehr Urlaub bekommen.
Da ich aber nicht früher los und Csibi nicht später zurück kommen konnten, blieben die Eckdaten des letzten Updates identisch. Da Wolfi aber nun mehr Zeit haben sollte, musste die An/Abreise auch nicht mehr unbedingt mit dem Trailer verfolgen, also nahmen wir die gesamte Strecke unter 2 Räder. Zudem plante Wolfi auf dem Rückweg noch einen Stopp samt Übernachtung bei Karin und Paul in Selters im Westerwald ein.
So suchten Wolfi und ich uns für den Hinweg einen geeigneten Treffpunkt im Bereich Sauerland und fanden ihn schließlich an einer Tankstelle in Waldeck-Sachsenhausen. Das Treffen war auf 11 Uhr terminiert.

Anmerkung: Die hier eingebundene Panoramaufnahmen sind PhotoSpheres (360° Kugelpanoramen). Also anklicken und sich dann frei im ganzen Motiv "bewegen".


Mittwoch, der 14.06.
Ich brachte morgens noch Levi zur Schule und verabschiedete mich. Tut immer etwas weh, wenn ich Junior dann rund 10 Tage nicht sehen.
Danach ab nach Haus und die schon gepackten Sachen ans Mopped bastelt, in die Klamotten rein und los. Ich lag sehr gut in der zeit und war dann in der Tat schon rund eine halbe Stunde früher am Treffpunkt. Da das Wetterchen mitspielte suchte ich mir einen Schattenplatz und wartete.

Recht pünktlich konnte ich dann auch den Zweizylinder der Africa Twin näher kommen hören.
Nach der Begrüßung und einem kurzen Austausch machten wir beiden uns dann weiter auf den Weg.
Die Strecke verlief bis auf eine kleine Begegnung mit aggressiven Golf GTI-Fahrer unspektakulär.
Auf eben diesem lief ich in einem Ort auf, als er wegen des Gegenverkehrs (der war Vorfahrtsberechtigt) warten musste. Ein Engpass in der Hauptstraße, an der uns einige Wagen entgegen kamen. Die Stelle war zu schmal für zwei Autos, nicht aber für ein Auto und ein  Motorrad, also "überholte" ich den wartenden VW. Direkt beim langsamen vorbei fahren brüllte mich der Fahrer aus dem offenen Fenster an (starker hessischer Dialekt, keine Ahnung was). Ich dachte mir nichts dabei und fuhr normal weiter. Im nächsten Ort fuhr ich dann mit ungefähr dem Tempolimit von 30, als der GTI mich recht unerwartet mit min. 80 Sachen überholte. Vor mir bremste er stark ab und zeigte mir den Mittelfinger.
In meinem Kopf spielten sich schon Bilder ab, dass er mich als nächstes komplett ausbremst und ans Leder will. Naja, der Typ war wohl kaum 1,60m groß (oder er saß direkt auf seinem Bodenblech) und daher zweifelte ich an der Theorie. Kurz danach bog er dann in eine Seitenstraße ab und verschwand.
Nach wie vor erschloss sich mir das Problem des Fahrers nicht. Aber so eine Art "Neidverhalten" (Motorrad fährt weiter und ich kann nicht!) ist hier doch hin und wieder anzutreffen. So ein Quatsch sollte uns Frankreich später nicht mehr begegnen (und ist es dort auch nie auch nur ansatzweise).
Das Wetter meinte es den ganzen Tag gut mit uns, es war passend warm und trocken.
Nun gut, so kurz vor 19 Uhr kamen wir dann bei Csibi in Etzenrot an.
Nach der herzlichen Begrüßung folgten schnell einige Ankommbiere und später ein großer Topf Spaghetti Bolognese.
Dazu gute Freunde, die man lange nicht gesehen hat. Es gab viel zu bereden.
Wolfi lieh sich noch ein paar Schlappen von Csibi aus, da er selber keine eingepackt hatte.
Nicht allzu spät gingen wir dann zu Bett, der nächste Tag sollte die längste Einzeletappe bereit halten.

Die Tagesetappe (541km) samt Profil:



Donnerstag, der 15.06.
Wir standen wie abgesprochen zeitig auf, frühstückten zusammen (hier war ja, wie bei uns auch, Feiertag) und so gegen 9 Uhr machten wir uns auf den Weg. Direkt von morgens an lachte die Sonne und so ging es erst einmal direkt in den nördlichen Schwarzwald.
Nach rund 1,5h stellte sich uns die erste Fronleichnams-Prozession in den Weg. Rund 15min Wartezeit, die wir dann gleich zum Nachtanken nutzen.
Es sollte nicht die einzige unterwegs in diesen Gefilden bleiben. In der Regel mussten wir aber nur wenige Minuten warten.


Gegen 12 Uhr überquerten wir dann nördlich vom Kaiserstuhl den Rhein und somit auch die Grenze zu Frankreich. Von der Rheinebene aus ging es direkt gen Westen und in die Vogesen.
Es ging den Col du Haut de Ribeauvillé hinauf und auf der Passhöhe direkt links ab zum Col de Fréland. Von dort weiter südlich und schließlich auf den immer wieder schönen Col de la Schlucht. Es ging weiter wieder nach Süden über den Col de Bramont und dann erneut westlich über den Col de Bussang. Darauf folgte der erneute Schwenk nach Süden und schließlich mit dem Col du Ballon d'Alsace der letzte Vogesenpass.
Bei einer Pause (bzw. der Fahrt vorher) fiel es uns allen gleichermaßen auf: Insekten! Wir komnnten kaum noch durch unsere Visiere sehen. Überall flatterten Schmetterlinge und sonstige Viehzeug herum. Das war noch in Deutschland deutlich anders.
Wir kennen alle die Berichte von 80% Rückgang bei der Insektenpopulation, aber solange man immer noch ständig Fliegen oder Mücken in der Wohnung hat und Wespen um das Kaltgetränk auf dem Balkon schwirren realisiert man das kaum. Auch beim Motorradfahren merkt man das erst richtig, wenn das Visier voll mit Insektenkadavern ist und nicht, wenn diese fehlen. Und der von uns allen bemerkte Unterschied war wirklich frappierend!

Später wurde es flacher und erst kurz vor unserem Etappenziel in Oyonnax wechselte das Hügelland wieder in "richtige" Berge, als wir ins franz. Jura kamen.
Die Temperaturen nahmen allerdings den ganzen Tag über zu, so dass wir im Stadtverkehr dann doch noch gut ins Schwitzen kamen. Die ersten vor Ort angepeilten Hotels waren ausgebucht oder aber "außerhalb der Kategorie", so dass wir schließlich in die Nachbarstädtchen Bellignat zum Hotel Melody fuhren.
Die "Grenze" zwischen Oyonnax und Bellignat erkennt man nur an einem Schild, auch optisch geht hier beides ineinander über. Recht verbaut, viele Wohnblocks, wenig Charme.
Also insgesamt wenig ansprechend. Hierher würden wir wohl nicht mehr kommen.
Das Hotel war dann aber ganz OK, es gab kühles Bier und ein Restaurant war auch direkt anbei.
Zwischen Bier und Abendessen machten wir eine kleine Runde in der näheren Umgebung, auch wieder zurück über die Stadtgrenze. Der erste Eindruck wurde leider nicht verbessert. Schön geht anders.
Da uns bei den mehrmaligen Haltestopps bei der Hotelsuche ganz schon warm wurde und Helm ab, Helm auf, Handschuh aus, Handschuh an, Jacke auf, Jacke zu bei den Temperaturen keinen Spaß macht kam (ausgerechnet!) Wolfi bei dem Rundgang mit der Idee um die Ecke, ob wir nicht für den nächsten Tag ein Hotel vorbuchen sollten.
So ein Gedanke ist ja nun wirklich nicht neu, aber auf vergangenen Reisen wollte eben Wolfi so etwas ganz und gar nicht. Hotelbewertungen könnte man eh nicht glauben und lieber erst mal schauen. Klar, das sind "Nachteile". Aber es hat halt auch Vorteile, besonders bei diesen Temperaturen.


Abends beim Essen schauten wir dann man beim nächsten Tagesziel. Die Wetteraussichten wurden immer "besser" (= noch wärmer, was auf Motorradtour nicht unbedingt toller ist) und so entdeckten wir im nächsten Zielort Vallon-Pont-d'Arc auf Booking ein Hotel mit Pool und Klimaanlage zu einem guten Kurs mitten in der Stadt. Da waren wir uns schnell einig!
Nach dem Essen gab es dann noch ein weiteres Absackbierchen und schließlich ging es ins Bett.

Die Tagestour (570km) samt Höhenprofil:



Freitag, der 16.06.
Nach dem Aufstehen gingen wir rüber in das nahe "Einkaufszentrum", dort gab es einen Bäcker mit leckeren, frischen Croissants und eine kleines Café für den morgendlichen Muntermacher.
Jetzt am frühen Morgen war es eigentlich schon warm genug für den ganzen Tag, aber es sollte dann doch noch deutlich mehr werden.


Danach schnallten wir unsere Sachen auf die Böcke und los ging es. Wir fuhren anfangs parallel zur Schnellstraße, die in der Autobahn Lyon - Genf mündete, überquerten diese und fuhren dann direkt gen Süden wieder in die Berge. Es ging über den Col de Montratier und den Col du Cendrier immer weiter, schließlich wurde es wieder flacher und später ging es über die nächste Autobahn (Lyon - Chambéry). Danach wurde es wieder bergiger und bald machten wir auch eine erste Kaffeepause.


Wir fuhren westlich an Grenoble vorbei in den Parc naturel régional de Chartreuse und nach der nächsten Autobahnquerung (Lyon - Grenoble) folgte der Parc naturel régional du Vercors.
Hier ging es direkt sehr kurvig den Berg hinauf und schon nach kurzer Zeit stoppten wir an einem kleinen Wasserfall. Wurde Zeit für meine erste 360° Aufnahme!


Es folgte enge Straßen an einigen Schluchten entlang, die alle keine schattigen Anhaltemöglichkeiten boten, weshalb wir auch dort keine Fotos machten.
Als es schließlich wieder bergab ging, war die Strecke über diverse Kilometer frisch mit Split (Warnschild "Gravillon") versehen. Das sollten wir noch öfters zu sehe bekommen....
Nachdem der Abschnitt geschafft war, machten wir eine Pause und schauten erst einmal nach der nächsten Tankstelle. Die sollte erst in Chabeuil kommen, rund 250km nach dem letzten Stopp.
Von dort ging es flott nach Valence und über die Rhône und wieder ins Gebirge, dem Parc naturel régional des Monts d'Ardèche. Nun war es dann nicht mehr weit bis zum Etappenziel in Vallon-Pont-d'Arc.
Unser Ziel, das Hôtel Berneron, befand sich direkt an der Einfallstraße kurz vor dem Zentrum. Gegenüber des Eingang war ein kleiner Parkstreifen im Schatten, so war das Einchecken trotz der Hitze recht angenehm. Wir bekamen direkt einen Parkplatz im (abgeschlossenen) Hof angeboten und parkten die Motorräder ein. Hier ging es eine kleine Treppe hinauf und wir waren am Pool. Vorher aber noch kurz das Zimmer beziehen! Mit dem Fahrstuhl ging es hoch in die Étage trois und in unser klimatisiertes Zimmer.
Danach war dann aber ganz flott abkühlen im Pool angesagt!


Deutlich besser als einmal kurz abduschen, wo man zwei Minuten später wieder schwitzt. So kann man den überhitzen Körper wirklich mal etwas runter bekommen.
Danach dann in die Shorts und ab in Innenstadt, die ja hier um die Ecke liegt.
Alles eindeutig viel schöner als am Vortag in Oyonnax/Bellignat! Alter Häuser, nette Plätze, kleine Gassen, zahlreiche Bars und Restaurants, hier kommt schon eher Urlaubsfeeling auf.


Vor dem Rathaus wurde gerade jemand feierlich verabschiedet und so nahmen wir die vorgetragene Marseillaise dann als eine Art Zapfenstreich für den Dicken, der an diesem Tage gestorben war.
Schließlich fanden wir an einem kleinen Platz einen feinen Tisch unter einer Markiese eines Restaurants, in dem wir uns zum Abendessen niederließen.


Da franz. Essen "immer so eine Sache ist" (wie Wolfi es formulierte) entscheiden wir uns für Salat und Pizza. Hat prima geschmeckt!
Mit "der Sache" ist in erster Linie gemeint, dass man meist nicht so ganz weiß, was man bekommt. Wir können alle nur sehr rudimentär Französisch und da auf Speiserkarte oft ganze Wortgruppen miteinander verbunden werden, spuckt ein Übersetzer auch wenig taugliche Sätze aus.


Wie am Vorabend schauten wir auch nun schon nach einem Hotel für den nächsten Tag. Die Erfahrungen vom heutigen Tag hatten uns natürlich im Vorgehen bestärkt. Unsere Unterkunft schien ja eine gelungene Wahl zu sein.
Da es am kommenden Tag ans Meer ging, sollte das Hotel auch in Fußreichweite davon sein, dazu natürlich wieder mit Klimaanlage. Wir sollten wieder fündig werden.


Nach dem Essen schlenderten wir noch einmal durch die Gassen und holten uns in einem kleinen Laden noch ein paar Absacker-Biere, die wir schließlich am Platz vor dem Rathaus tranken.


Als es dann schließlich bald dunkel war, gingen wir dann langsam die wenigen Meter zurück zum Hotel. Bald kam auch die Zeit, ins Bett zu gehen. Man will ja morgens ausgeruht aufs Mopped steigen!

Die Tagesstrecke (407km) samt Profil:



Samstag, der 17.06.
Nach dem Aufstehen ging es wie auch am Vortag erst einmal auf Frühstückssuche. Ein "Petit déjeuner" wird zwar in den Hotels meist auch angeboten, aber das besteht in der Regel aus Weißbrot mit Marmelade und einen Kaffee. Dafür werden dann schnell 8-12€ aufgerufen, lohnt also eher nicht.
Schräg gegenüber vom Rathausplatz gab es eine Bäckerei, in der eine überraschend lange Schlange stand. Schnell wurde klar, warum. Eine ältere Dame orderte eine ganze Sammlung an Kuchen und weitere Leckereien, die sie schließlich mit einem EuroCheque (ja, der aus Papier!) bezahlte. Ausgestellt über 183€. Amtliche Bestellung.


Danach ging es flott vorwärts, die einzige Verkäuferin tat ihr Bestes. Die sehr leckeren Croissants (wie die ganze Zeit im Urlaub) aßen wir bei einem warmen Getränk im Café gegenüber.
Danach packten wir unseren Kram zusammen und verluden alles auf die Maschinen. Ich bezahlte noch schnell (überraschenderweise weniger, als Booking ausgespuckt hatte) und dann ging es auch schon los. Das erste Highlight der Tour stand auf dem Plan, die Gorges de l’Ardèche.


Diese großartige Schlucht beginnt mit dem berühmten Pont d’Arc und bietet auch darauf noch diverse großartige Aussichten, teilweise hoch oben über dem Fluss.


Am Ende ging es über eine Brücke auf die Südseite und von dort wieder gen Westen, fast wieder zurück zu unserem Startpunkt.
Es ging immer weiter über schöne, kurvige Straßen durch die Berge, hin und wieder trafen wir auf Rollsplitt auf den Straßen. Auch in Frankreich scheint im Sommer Reparaturzeit zu sein.


Schließlich kamen wir dann in den Parc national des Cévennes. Traumhafte Landschaften, kleine Schluchten, hohe Felsen, eine richtig schöne Ecke.
Am Nachmittag verließen wir das Gebiet dann Richtung Küste, es folgte ein gutes Stück Flachland, mit geraden Straßen wenig attraktiv. Aber wir hatten ja ein lohnendes Ziel vor Augen.
Wir fuhren mit gutem Abstand westlich an Montpellier vorbei nach Sète und von dort über eine lange Landzunge an der Lagune Étang de Thau vorbei. Die monotone Strecke von rund 20km Länge wurde nur durch Kreisverkehre mit Abfahrten zu Parkplätzen für den Strandbesuch unterbrochen. Wegen Mangel an Schatten verzichteten wir auf einen Stopp und Fotos. Die Tagestemperaturen überstiegen die des Vortages erneut und näherten sich langsam der 35°C-Grenze. Wie gut, dass wir kein Hotel suchen mussten, sondern zielstrebig dorthin fahren konnten.
Schließlich erreichten wir Cap d’Agde und fuhren dann Zielstrebig zur Résidence Thalacap.
Da wir nun in einem richtige Ferienort waren, sprachen die netten Mitarbeiterinnen an der Rezeption auch Englisch und wir bekamen schnell die Schlüssel für unser Appartement.
Sehr geräumig, modern und mit Küchenzeile fanden wir unsere Räume vor. Csibi und ich teilten uns das separate Schlafzimmer und Wolfi nahm die Schlafcouch im Wohnbereich.
Sofort hieß es dann natürlich raus aus den Klamotten und ab zum Strand. Abkühlen war angesagt!
Wir mussten einen kleinen Bogen laufen, da die Küstenlinie doch ein ganzen Stück tiefer als das Hotel lag. Am Strand selber schnitt ich mir dann an den Felsen im flachen Wasser noch leicht einen Zeh auf, aber das war die Abkühlung wert! Herrlich, endlich wieder im Meer...


Da es am Strand aber auch kaum Schatten gab, machten wir uns recht flott wieder auf den Rückweg. Statt Abduschen entledigten wir uns im Hotelpool vom Salzwasser und setzten die Abkühlung fort. Als dann ein Junggesellinnen-Abschied den Poolbereich enterten, machten wir uns dann aus dem Staub.

Der Plan war, in einem Supermarkt einige Flaschen Wein, Baguette, Käse und Wurst zu kaufen und unser Abendessen an den Strand zu verlegen.
Die Onlinekarte versprach uns einen Spar-Markt an er Einfahrt der Marina, das stellte sich aber als falsch heraus. Am anderen Ende des Hafens sollte aber noch ein Shop sein. Dummerweise hatten sich Wolfis Leih-Schlappen inzwischen aufgelöst, so dass er nun barfuß unterwegs war. Die Strecke zog sich ganz schön und Wolfi machte irgendwann kehrt. Er wollte mit dem Motorrad nachkommen und im Zweifel (falls es diesen Laden nun auch nicht gibt) noch woanders hin zu fahren.
Wir waren ganz schön ins Schwitzen gekommen, als wir am Laden ankamen. Übrigens ziemlich zeitgleich mit Wolfi. Der konnte nach dem Einkauf auch direkt mit der Maschine zurück, wir mussten erneut zu Fuß durch die Wärme. Immerhin fanden wir noch eine Bäckerei für das nächste Frühstück.
Wir gingen dann auch gleich direkt zum Strand, wo Wolfi schon alles vorbereitet hatte.



Ein herrliches Abendessen, zwischendurch sammelten wir noch Muscheln für unseren Nachwuchs daheim. Wieder schauten wir uns währenddessen nach dem nächsten Hotel um und wurden natürlich ebenfalls fündig. Selbstverständlich wieder mit Pool und Klimaanlage auf dem Zimmer. Die vorhergesagten Höchsttemperaturen sollten weiter konstant über 30°C.
Als es dann dunkel wurde, ging ich zurück zum Hotel. Die beiden anderen blieben noch etwas und waren erst zurück, als ich schon schlief.

Die Tagesetappe (325km) samt Profil:



Sonntag, der 18.06.
Am nächsten Morgen packten wir zuerst zusammen, checkten aus und machten uns dann mit den Maschinen auf den Weg zum Frühstück. Für mal eben zu Fuß dort hin war es doch zu weit.
Wir parkten im Schatten gegenüber der kleinen Straßenbäckerei und frühstückten eben dort auf einer Bank. Danach ging es wieder landeinwärts, östlich an Béziers vorbei und nach gut 80km erreichten wir den Parc naturel régional du Haut Languedoc. Nun ging es auch recht flott in die Höhe, innerhalb von etwa 20km kletterten wir von etwa 200m auf rund 1100 Höhenmeter. Nun war es auch vorbei mit gerade Straßen, es ging wieder die ganze Zeit hin und her. Es war der Zeitpunkt für eine erste Pause gekommen, die machten wir direkt an einer Brücke über den Orb.


Die großartige Aussicht erinnerte mich an meine Panoramakamera, die ich nun auch gleich noch einsetzte.


Wie so oft an den Flüssen hier in der Region gab es wieder zahlreiche Ruderer und auch Badende an kleinen Stränden. Da es schon wieder ziemlich war geworden war wollten wir spontan gerne mit den Menschen unten am Fluss tauschen.


Großartige Strecken mit super Asphalt wechselten mit Buckelstrecken ab, hin und wieder gab es auch erneut "Gravillon". Wir suchten uns immer schöne schattige Stellen für weiteren Pausen oder halt auch mal eine Art Biergarten unter großen Platanen auf einem Marktplatz von Saint-Pons-de-Thomières.


Wir fuhren an der ganzen Uferline des Lac de la Raviège entlang und kamen schließlich zum Tarn, dessen Verlauf wir ostwärts folgten. Nicht weit von hier entfernt sollten wir dann bald auch unter dem gewaltigen Viadukt von Millau durchfahren.
Und in der Tat, schon aus ziemlicher Entfernung konnte man die riesigen Pfeiler sehen!
Bis wir wirklich dort waren, dauerte es dann doch noch etwas, aber schließlich erreichten wir den Bau.


Die Eckdaten dieses Bauwerks sprechen für sich: Die höchsten Pfeiler erreichen 343m und sind das höchste Bauwerk in Frankreich, überragen den Pariser Eiffelturm um fast 20m. Die Fahrbahn der Autobahn liegt 270m über dem Fluss. Irres Teil...
Weiter ging es die letzten Kilometer zu unserem Tagesziel, dem Cevenol Hôtel, östlich der Innenstadt in Flussnähe.


Selbstredend hatte unser Zimmer wieder eine Klimaanlage und das Hotel einen Pool. Nach einem Ankommbier auf der Terrasse ging es auch flott in eben diesen.
Danach machten wir uns auf den Weg in die Innenstadt.



Wir schauten uns um und Sachen an, dabei immer ein Blick für das passende Restaurant. Nachdem wir mit unserer "Besichtigung" durch waren gingen wir zum Essen und als Verdauungsspaziergang ging es noch einmal ein Stück am Fluss entlang, mit Blick auf die Berge, hinter denen kurz vorher die Sonne verschwand.


Schließlich gab es auf der Hotelterrasse noch ein Absacker-Bierchen, dabei schauten wir uns dann nach dem nächsten Quartier um. Wieder wurden wir fündig und somit konnte es danach auch bald ins Bett gehen.

Die Tagestour (325km) samt Profil:



Montag, der 19.06.
Ein weiteres Highlight der diesjährigen Tour sollte an diesem Tag folgen: Die Fahrt durch die Tarn-Schlucht. Obwohl die eigentliche enge, tiefe Schlucht "nur" etwa 35km lang ist, geht der Weg und auch eine Schlucht weiter. Insgesamt sind wir rund 80km dem Flussverlauf gefolgt, oft über großartige kurvige Pisten mit grandiosem Panorama. Der Nachteil an speziell unserer durchfahrt am Vormittag bzw. Mittag: Wir fuhren fast die ganze zeit auf der Sonnenseite. Das war ja noch OK, solange man fuhr. Nur an einem der zahlreichen Aussichtspunkten mit spektakulären Ausblick anhalten, das verkniffen wir uns wegen der Hitze. Daher ist die Fotoausbeute auch sehr gering, immerhin gegenüber von Castelbouc machten wir einen Stopp.

In Le Pont-de-Montvert gab es dann einen weiteren Stopp mit richtiger Einkehr. Hier münden zwei Bäche in den Tarn (der hier auch noch recht "jung" ist) und zudem gibt es hier eine hübsche, alte Brücke über den Fluss.


Nachdem wir das Flusstal verließen, ging es dann auch gleich in die Höhe, eine tolle Straße windete sich immer weiter in die Höhe, bis wir schließlich mit dem Col de Finiels auf 1548m Höhe unser persönliches "Dach der Tour" erreichten.
Danach gelangten wir langsam in ein Hügelland (immer so zwischen 800-1000m Höhe) und erreichten dann irgendwann unser Tagesziel, das Logis Hôtel le Prieuré in Chaumont-le-Bourg.
Das Hotel im Stile eines alten Landschlosses/Gutshof stammt in seinen Grundmauern aus dem 10. Jahrhundert, liegt samt Dorf auf einer leichten Anhöhe mit Blick in die weite Landschaft.
Klimanlage gab es hier nicht, aber bei Wänden dick wie Kirchenmauern war das auch nicht wirklich nötig.
Immerhin einen Fahrstuhl hat das alte Haus bekommen, ganz praktisch, weil gerade das Treppenhaus ins 2. OG nicht nur sehr niedrig, sondern auch die Stufen derbe krumm waren.
Nach dem Bezug des Zimmers ging es wie üblich zum Pool. Dieser lag ganz am hinteren Ende des Gartens.


Hier waren wir nicht alleine, sondern ein Trupp von 4 "lustigen" Rheinländern (zwei Paar auf dicken Reise-BMWs) war schnell auszumachen. So kamen wir natürlich ins Gespräch. Dabei war doch teilweise viel Geschwätz, aber nun gut.
Nach der Abkühlung war noch genug zeit, etwas auf einer schattigen Bank bei kühlendem Wind zu entspannen.
Später ging es zum Abendessen ins hauseigene Restaurant. Das war eine sehr gute Wahl (abgesehen davon gab es auch kaum Alternativen), ein richtig gutes Menü wurde uns serviert!


Wie üblich schauten wir uns im anvisierten Zielgebiet etwas nach Hotels um, aber so wirklich was passendes fanden wir online nicht. Ich hatte eine Unterkunft gefunden, bei der gab es aber keine Möglichkeit, per Netz etwas zu buchen. Nur eine Anfrage per Mail war möglich.
Somit beschlossen wir, einfach mal dort vorbei zu fahren und wenn es kein Zimmer mehr gibt lieber spontan vor Ort zu suchen.
Nach dem großartigen Essen machte ich dann ein ausgiebiges Telefonat mit Genia und danach folgte ein Gartenspaziergang mit fotografieren.



Danach gab es noch wie üblich bei langsam einkehrender Dunkelheit ein Absacker-Bierchen und dann rief auch schon unser Bett.

Die Tagesetappe (336km) samt Höhenprofil:



Dienstag, der 20.06.17
Da es hier in der Unterkunft nur wie üblich ein überteuertes Hausfrühstück gab und im Ort selber sonst keinerlei Möglichkeiten, sattelten wir zeitig die Moppeds (auch morgens schon unbedingt im Schatten!) und machten uns zunächst auf den Weg nach Ambert, die nächste Stadt auf unserer Route. Da wir auf der Suche nach einer Frühstücksmöglichkeite an ei ner Tankstelle vorbei kamen, nutzen wir die Gelegenheit auch gleich, um unsere Spritfässer wieder aufzufüllen.

Danach fanden wir ein kleines Café, an dem wir stoppten. Die erhoffte Bäckerei nebenan entpuppte sich als (geschlossener) Metzger. Nun gut.
Nach dem ersten Kaffee fragten wir die Bedienung nach Croissants und sie wollte gleich wissen, wie viele wir denn gerne hätten, sie würde uns welche besorgen. Im Café selber gab es nämlich keine.
Etwas verwundert bestellten wir 6 Stück und schon verschwand sie. Nur wenige Minuten später kam die ältere Dame mit einer weiteren Runde Kaffee und den Croissants raus. Was für ein Service, wo auch immer sie die Sachen so schnell her hatte.
Gestärkt machten wir uns wieder auf den Weg. Dieser führte uns zunächst noch recht kurvenreich durch den Parc Naturel Régional Livradois-Forez, es folgten aber immer häufiger Straßen mit frischen Rollsplit. Das nahm nun langsam Überhand und schnell prägte Csibi den Begriff unserer diesjährigen "Tour de Gravillon".

Zudem wurde die Landschaft auch "langweiliger", inzwischen sah die Umgebung immer mehr wie in den deutsche Mittelgebirge aus. An sich ja OK, aber deutlich entfernt von den teilweise spektakulären Schluchten und auch die Höhen des Vortages.
Es folgte der Parc Naturel Régional du Morvan, den wir wegen der "versplitteten" kleinen Pisten eher auf Hauptstraßen durchquerten. So richtig Spaß machte die Fahrt daher auch nicht, die Hitze von bis zu 36°C auf unserer Route tat ihr übriges.


Wir kamen durch die "angepasste" Streckenwahl recht zeitig an dem angepeilten Hôtel de la Poste in Saint-Seine-l'Abbaye an. Sah sehr einladend aus, leider war es ausgebucht.
Kleine Randnotiz: Das Hotel ist inzwischen auch bei den großen Buchungsportalen angekommen.
An der Rezeption bekamen wir zwei Visitenkarten von anderen Hotel, die ganz offensichtlich einer gemeinsame Kette angehören oder sonstwie zusammen arbeiten. Beide alternativen lagen nicht gerade um die Ecke und zudem auch derbe aus der Richtung. Und bis nach Dijon in die Stadt rein wollten wir bei der hitze ganz sicher auch nicht.
Also beschlossen wir kurzerhand die noch recht frühe Stunde zu nutzen und einfach die nächste Tagestour ins Navi zu laden und schon etwas Strecke vom nächsten Tag abzufahren. Die letzte Etappe war nämlich wieder ganz ordentlich von der Strecke.
Wenn wir dann unterwegs auf ein Hotel stoßen, versuchen wir es dort einfach mal.
Knapp 20km weiter war es dann schon soweit, In dem kleinen Kaff anders kann man es nicht ausdrücken) Lery fragte Wolfi am Straßenrand eine Frau nach einem Hotel und ja, einfach der Hauptstraße folgen, da wäre eins. Etwas ungläubig fuhren wir weiter und tatsächlich. Am Ortsausgang lag rechts ein flacher Betonbau, schien ein Restaurant zu sein, das La Roussotte.
Von der Aufmachung konnte das auch mal das ehemalige Schulgebäude sein, mit franz. Charme hatte das nichts zu tun. Aber wir waren inzwischen wenig anspruchsvoll.

Ja, es gibt Zimmer und natürlich sind die noch frei. Wie schön.
Alle Zimmer lagen im Souterrain, das war auf den ersten Blick nicht wirklich sexy, aber hat bei dieser Affenhitze den Vorteil, deutlich angenehmer temperiert zu sein. Weil an Pool oder gar Klimaanlage war hier nicht zu denken.
Wir tranken einige kühle Bierchen und bezogen dann unser Zimmer.
Danach war mangels Pool die Dusche angesagt und später ging es ins Restaurant.
Schnell stellte sich heraus, dass wir wohl im örtlichen Feinschmeckertempel gelandet waren.
Wir orderten das Menü.


Von den Schnecken hielt ich mich fern, ich nahm die Pastete. War sehr lecker und mit Brot dazu reichte das eigentlich schon fast. Doch dann folgte natürlich noch das Entrecôte. Eigentlich sind solche Fleischbrocken nicht so ganz meins, aber die Alternativen (kann mich jetzt nicht mehr dran erinnern) waren auch nichts für mich.
Die versprochenen 300g waren derbe untertrieben, jeweils einen derben Brocken hatten wir auf dem Teller. Ich für meinen Teil schnitt die für mich leckeren Stücke aus dem Fleischberg heraus, kaum die Hälfte schaffte ich, bzw. es sollte ja noch mehr kommen. Also etwas Platz lassen.


Es folgte noch die Käseplatte und schließlich noch ein Eis.
Pappsatt ließen wir den Abend draußen ausklingen, relativ zeitig verschwand ich im Bett.

Die Tagesetappe (384km) und das Profil:



Mittwoch, der 21.06.17
Wie üblich standen wir relativ zeitig auf, hatten wir doch wieder ein gutes Stück Strecke vor uns, wenn auch etwas weniger als ursprünglich geplant.
Außerdem hatten wir nun unser erstes Hotelfrühstück vor uns, das nahmen wir mangels naher Alternativen dann mal mit. Beim Bezahlen war anzumerken, dass wir deutlich mehr für Essen & Trinken bezahlten als für das Quartier.
Danach ging es ans Verzurren des Gepäcks und ab auf die Piste. Angesichts der Rollsplitterfahrung der letzten beiden Tage verwarfen wir die angedachte Tour mehr oder minder von Anfang an und wollten lieber vorwärts kommen. Zudem stand ein weiterer Hitzetag an und so ging es viel über Hauptstraßen, teilweise sogar Schnellstraßen.
Da wir inzwischen doch überwiegend in eher flacheren Gefilden angekommen waren, wären die kleineren Straßen wohl eh nur bedingt attraktiver gewesen.
So fuhren wir südlich an Nancy vorbei bis ins nördliche Elsass eher öde Pisten, danach wurde es wieder netter.
Erfahrungsgemäß will man nach einer langen Tour irgendwann einfach nur noch Heim kommen, daher nun auch kein Abstecher mehr in die Vogesen.
In La Petite-Pierre gab es dann noch den letzten Kaffee- bzw. Kaltgetränkestopp und dann ging es schon bald längere Zeit an der grünen Grenze entlang, bis wir diese schließlich kurz vor dem Rhein überquerten.
Das letzte Stück wurde es dann noch einmal richtig anstrengend, da wir über die ewig gestaute B10 Richtung Karlsruhe mussten. Eigentlich war dann quasi überall Stau, dank Csibis Ortskenntnis fuhren wir einen ziemlichen Bogen, aber immerhin fuhren wir meistens.


Endlich kamen wir wieder in Etzenrot an. Nach der herzlichen Begrüßung gab es kühles Bier und damit dann direkt in den Pool. Der war wegen Junior zwar nur relativ flach befüllt und mit gut 30° kaum kühler als die Umgebung, aber nun gut. Deshalb ja das kühle Bier.
Wir hatten einen entspannten Abend und eine geruhsame Nacht. Vielen Dank für die Gastfreundschaft!

Die Tagestour (454km) samt Profil:



Donnerstag, der 22.06.17
Die letzte Etappe der Heimreise stand an. ich hatte eine Route durch den Pfälzerwald geplant, danach ging es etwas durch den Hunsrück und schließlich mit der Fähre bei St. Goar über den Rhein.
Auf der anderen Flussseite ging es dann etwas durch den Taunus bis schließlich in den Westerwald.


Dort in Selters setzte ich Wolfi schließlich bei Karin & Paul ab, die allerdings noch nicht daheim waren. Wir verabschiedeten uns und ich machte mich auf das letzte Stück.
Ich musste mich etwas ran halten, schließlich waren ab dem Nachmittag teilweise schwere Gewitter angekündigt. So fuhr ich dann recht direkt rüber zur A45, tankte kurz vor der Auffahrt noch einmal gelangte etwas südlich von Siegen dann auf die Schnellstraße. Aus Westen wurde es schon dunkler, ab bis auf einige wenigen Tropfen kam ich den Gewittern zuvor. Der Rest der Heimfahrt über die Autobahn war zwar öde (abgesehen von einige kurzen Stauungen, an die ich aber recht gut vorbei kam), aber immerhin kommt man voran und in der Tat schaffte ich es trocken bis nach Hause.

Das letzte Teilstück (550km) samt Profil:



Was bleibt?
Wieder ein Gebiet "abgehakt", in das ich schon lange wollte (seit der ersten "Berührung" im Herbst 2006). Gerade der südliche Teil (Cevennen) war großartig! Landschaftlich beeindruckend bis teilweise umwerfend, der Abstecher ans Meer war auch großartig. 

Die Schluchten der Ardèche und des Tarn sollte man wirklich mal gesehen haben! Vielleicht irgendwann noch einmal in einem Kanu? Weniger toll waren die letzten 2-3 Tage. Zum einen ließ die Attraktivität der Umgebung und der Streckenführung nach, zudem hatten wir noch das Pech mit dem extrem vielen Rollsplitt.
Das Wetter hatte es meist etwas "zu gut gemeint", wir kamen die ganzen Tage (vor allem die letzten Woche) doch derbe ins Schwitzen. Aber man will ja nicht jammern, Kälte und Regen wollten wir ja definitiv auch nicht haben. Außer Wolfis kleinen Umfaller in einen Zaun (nachdem er rechts an mir vorbei wollte und unsere koffer sich in die Quere kamen) hatten wir keinerlei Ausfälle oder gar Schlimmeres zu beklagen.

Insgesamt kam ich bei der Tour auf 3864km.